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Dieses „Ich bin kein Roboter“-Ding hat lange genervt – nicht nur Bots

Du kennst reCAPTCHA: mal klickst du Busse an, mal passiert alles unsichtbar im Hintergrund. Für Webseiten ist das ein praktischer Türsteher gegen Spam. Für Datenschutz war es aber jahrelang eher so: „Ja… kann man machen… aber bitte nicht zu laut drüber reden.“

Der Grund ist simpel: reCAPTCHA schützt zwar vor Bots, sammelt dabei aber auch Infos, um zu entscheiden, ob du ein Mensch bist. Und bisher wirkte es oft so, als hätte Google dabei ziemlich viel eigene Freiheit: Google bestimmt mit, wofür solche Daten genutzt werden, und verweist auf seine allgemeinen Datenschutzregeln. Genau diese Mischung hat vielen Betreibern in Europa Kopfschmerzen gemacht.

Der große Schalter am 2. April 2026

Wie heise online berichtet, kündigte Google jetzt einen klaren Schnitt an: Ab dem 2. April 2026 wird reCAPTCHA weltweit umgestellt. Der Dienst soll dann nicht mehr als „Google macht das nach eigenen Regeln“ laufen, sondern als klassischer Dienst, der im Auftrag des Webseitenbetreibers arbeitet.

In normalem Alltagssprech: Die Webseite sagt, wofür reCAPTCHA eingesetzt wird – Google führt es aus. Damit wandert mehr Verantwortung (und Kontrolle) zu den Betreibern.

Was sich im Kern ändert: weniger „Profiling-Gefühl“

Ein Hauptvorwurf der Datenschützer war immer: Nutzer merken gar nicht, was im Hintergrund passiert – und am Ende könnten Daten aus so einem Sicherheitscheck in große Datentöpfe rutschen. Ob das in jedem Fall so war, ist nicht mal der Punkt. Schon der Verdacht reicht, damit Unternehmen nervös werden.

Mit dem neuen Modell soll genau hier eine klare Grenze gezogen werden: Die Daten aus reCAPTCHA sollen nur nochfür den Betrieb, die Wartung und die Sicherheit von reCAPTCHA genutzt werden. Nicht „und vielleicht noch für dies und jenes“.

Das ist für Betreiber wichtig, weil es die Argumentation einfacher macht: „Wir brauchen das, damit unsere Seite nicht zugespammt wird.“ Und nicht: „Wir brauchen das, aber da hängt noch ein ganzer Google-Anhänger dran.“

Was Nutzer wahrscheinlich sehen: weniger Google-Links im Widget

Dieses kleine reCAPTCHA-Badge mit Links auf Googles Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen kennt fast jeder, der mal ein Formular ausgefüllt hat. Laut der Ankündigung sollen diese Hinweise ab dem Stichtag verschwinden, weil Nutzer dann nicht mehr automatisch in die allgemeinen Google-Bedingungen „hineinrutschen“ sollen.

Google fordert Betreiber außerdem auf, eigene, manuell eingebaute Verweise auf Googles Privacy-Policy rund um reCAPTCHA zu entfernen, damit das zur neuen Logik passt. Das ist ein ziemlich deutliches Zeichen: Google will hier nicht nur Papier ändern, sondern auch die Außenwirkung.

Technisch soll das Ganze ohne großes Theater laufen: keine Unterbrechungen, bestehende Schlüssel sollen weiter funktionieren, und Schutzfunktionen sollen bleiben, wie sie sind. Für viele Unternehmen ist das entscheidend: Es ist leichter, einen rechtlichen Hebel umzulegen, als tausende Formulare und Integrationen neu zu bauen.

Warum das jetzt kommt: KI macht Bots besser – und Europa wird strenger

Bots werden durch KI nicht harmloser, sondern schlauer. Gleichzeitig wird die Regulierung in Europa nicht laxer, sondern härter. reCAPTCHA sitzt genau zwischen diesen zwei Welten: Sicherheit auf der einen Seite, Datenschutz auf der anderen. Wenn Google reCAPTCHA „auftragsmäßig“ neu aufstellt, bleibt das Produkt für Firmen attraktiv – ohne dass jeder Einsatz wie ein juristischer Drahtseilakt wirkt.

Der kritische Kommentar zum Schluss

Das klingt alles nach Fortschritt – aber man sollte nicht vergessen: Google macht solche Schritte selten aus reiner Menschenliebe. Das ist auch ein cleverer Move, damit reCAPTCHA in Europa nicht irgendwann zum Problemfall wird, den man überall rauswerfen muss.

Und noch was: Selbst wenn das Modell jetzt sauberer wird, bleibt die Grundfrage: Muss man wirklich bei jedem Formular gleich ein schweres Google-Tool einbauen? Viele Seiten nutzen reCAPTCHA nicht „weil es unbedingt nötig ist“, sondern weil es bequem ist. Datenschutz wird nicht nur durch bessere Verträge besser, sondern vor allem durch weniger Datensammeln insgesamt. Wenn Betreiber daraus lernen und öfter zu schlankeren Lösungen greifen, wäre das der eigentliche Gewinn.

 

Quelle: heise.de

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