Erst vor kurzem wurde dem Tech-Giganten vorgeworfen, seinen eigenen Trackingschutz ausgehebelt und unberechtigt Nutzerdaten gesammelt zu haben. Jetzt steht das Unternehmen abermals in der Kritik.

Es ist noch nicht lange her, da erhoben vier Kläger Sammelklage gegen Apple. Der Vorwurf: Das US-amerikanische Unternehmen soll einen Weg gefunden haben, seinen eigenen Trackingschutz „ATT“ zu umgehen. Jetzt deckten Forscher auf, dass der Verstoß sogar weitreichender sein könnte als bisher gedacht. Konkret sollen die Apple Analytics-Daten eine ID enthalten, die es erlaubt, iCloud-Nutzer zu identifizieren.

Nicht der erste Vorwurf gegen Apple

Bereits Anfang November 2022 veröffentlichte die deutsch-kanadische Forschergruppe Mysk via Twitter Datenschutzbedenken, die Millionen von iPhone- und Mac-Nutzern betrafen. Im Visier: Die Apps Instagram und Facebook. Sie sollen – per eingebettetem JavaScript-Code – Klicks auf Werbeanzeigen sowie Links und sogar Texteingaben protokolliert und an Apple weitergeleitet haben. Trotz vorheriger Tracking-Ablehnung des Nutzers.

Welche Nutzerdaten wurden wirklich übermittelt?

Jetzt erhebt Mysk erneut schwere Vorwürfe gegen Apple. Dieses Mal geht es um eine Nutzer-ID mit der Bezeichnung „DSID“ (Directory Services Identifier). Dabei handelt es sich um eine ID-Nummer, die mit dem iCloud-Konto des jeweiligen Nutzers verknüpft ist und nicht geändert werden kann. Diese ID soll laut Mysk im Rahmen der Datenerfassung an Apple übermittelt werden. Das Problem: Sie ist identifizierbar, also mit allen Daten in der iCloud verknüpft. Dazu zählen der vollständige Name des Nutzers, seine E-Mail-Adresse sowie sein Geburtstag. Auf diese Weise könne Apple jede Datenübermittlung personalisieren und so einer bestimmten Person zuordnen, so der Vorwurf.

Mögliche Folgen nicht absehbar

Sollten die Vorwürfe stimmen, könnte sich der iPhone-Konzern möglicherweise mit zahlreichen neuen (Sammel-)Klagen konfrontiert sehen. Denn in Apples Datenschutzrichtlinien heißt es: „keine der gesammelten Informationen identifizieren den Nutzer persönlich“ und „personenbezogene Daten werden nicht protokolliert“. Abgesehen von den finanziellen Folgen bergen die Vorwürfe ein noch größeres Problem für Apple: Das sorgsam aufgebaute Image als datenschutzfreundliches Tech-Unternehmen könnte nachhaltigen Schaden nehmen.