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Bald kommt Werbung in den Chat – und viele merken es vielleicht gar nicht

Was früher wie ein Online-Gespräch mit einem klugen Freund wirkte, wird jetzt zur Verkaufsfläche. OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, hat angekündigt: In der kostenlosen Version des Chatbots wird bald Werbung auftauchen – mitten in den Antworten. Anfangs nur in den USA, nur für Erwachsene und erst mal testweise. Aber wie das bei solchen „Tests“ so ist: Sie bleiben selten lokal.

Und klar ist auch, wen es trifft – nämlich fast alle. Denn während mehr als 23 Millionen Deutsche regelmäßig ChatGPT nutzen, zahlen nur die wenigsten dafür. Wer kein Abo hat, bekommt bald nicht mehr nur Infos, sondern auch Werbeeinblendungen. Willkommen im Zeitalter der „sponsored Antwort“.

 

So sieht die Werbung aus – und warum sie nicht sofort auffällt

Die Werbung wird nicht wie ein klassischer Werbebanner aussehen. Kein „Jetzt kaufen“-Button, kein blinkender Rabattcode. Stattdessen tauchen Marken oder Angebote direkt im Text auf – ganz nebenbei, fast wie ein Tipp. Fragt man zum Beispiel nach guten Laufschuhen, könnte ein bestimmtes Modell genannt werden. Vielleicht bezahlt. Vielleicht nicht. Vielleicht steht’s dran. Vielleicht auch nicht.

OpenAI sagt zwar, alles werde klar gekennzeichnet und die Antworten blieben unabhängig – aber ganz ehrlich: Wenn eine KI Werbung machen darf, wird sie auch irgendwann angepasst, priorisiert, optimiert. Für Klicks. Für Umsatz.

 

Warum das Ganze? Es geht – wie immer – ums Geld

OpenAI investiert Milliarden, zusammen mit Microsoft, in Technik und Rechenzentren. Die Kosten sind gigantisch, und irgendwoher muss das Geld kommen. Da ist Werbung der logische Schritt – vor allem bei den vielen Millionen Menschen, die ChatGPT kostenlos nutzen. Werbung ist nicht nur eine Einnahmequelle, sondern auch ein Hebel: Wer keine Lust auf Werbeantworten hat, soll zum Abo greifen. Das nennt sich dann „Produktstrategie“.

Das günstigere Abo „ChatGPT Go“ wird Werbung enthalten, nur die teureren Tarife – wie das 23-Euro-Plus-Abo – bleiben werbefrei. Also entweder zahlen oder Werbung lesen. So einfach ist das.

 

Kommentar: Irgendwann verkauft die KI nicht mehr nur Turnschuhe

Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch KI-Plattformen in den Werbemodus wechseln. Und trotzdem fühlt es sich seltsam an. Eine künstliche Intelligenz, die auf Zuruf Produkte empfiehlt – das ist nicht mehr weit entfernt von einem digitalen Verkäufer. Klar, OpenAI verspricht viel: keine Datenweitergabe, klare Kennzeichnung, keine Einflussnahme auf Inhalte. Aber wir kennen diese Versprechen auch von anderen Plattformen – und wissen, wie’s endet.

Das Problem ist nicht die Werbung selbst. Das Problem ist, dass sie sich tarnt. Und wer’s nicht merkt, glaubt, er hat die beste Antwort bekommen – dabei war’s vielleicht nur die bestbezahlte.

Klingt übertrieben? Mag sein. Aber wer heute noch glaubt, kostenlos bedeutet neutral, der hat das Internet der letzten 10 Jahre verpasst.

 

 

Quelle: tagesschau.de

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