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WLAN über den Wolken: Jetzt kommt Starlink ins Spiel
Das Internet im Flugzeug war bislang oft eher Geduldsprobe als Highspeed-Vergnügen. Doch das soll sich bald ändern – zumindest für Passagiere der Lufthansa Group. Ab Ende 2026 setzt Europas größter Airline-Konzern auf das Satellitennetzwerk von Elon Musks Firma Starlink – und verabschiedet sich damit von der Deutschen Telekom.
Ein radikaler Kurswechsel mit Signalwirkung: Die Lufthansa bricht das erst vor zwei Jahren gestartete Bündnis mit Telekom und Viasat wieder auf. Rund 850 Flugzeuge sollen in den kommenden Jahren mit der Starlink-Aviation-Technik ausgestattet werden. Das Versprechen: kostenloses Highspeed-Internet für alle Fluggäste – wenn sie ein Nutzerkonto anlegen.
Telekom fliegt raus – Starlink hebt ab
Noch 2024 hatte Lufthansa große Pläne mit der Telekom: Über das sogenannte EAN-System (European Aviation Network) sollten Flugzeuge europaweit via Satellit und Mobilfunkmasten versorgt werden. Klingt solide, ist technisch aber ein Hybrid aus altem Netzdenken und begrenzter Kapazität.
Starlink hingegen bietet eine komplett satellitenbasierte Lösung mit globaler Reichweite. Bis zu 350 MBit/s pro Flugzeug, verspricht das Unternehmen – und dazu nur 20 Millisekunden Latenz, also fast Echtzeitverbindungen. Damit wird selbst Videotelefonie oder Cloud-Arbeit über den Wolken möglich. Das klingt nicht nur beeindruckend, das ist ein Gamechanger.
Technisch möglich wird das durch flache Satellitenschüsseln, die auf dem Flugzeugrumpf montiert werden. Einmalige Hardwarekosten pro Jet: rund 150.000 US-Dollar – Installation nicht mitgerechnet. Ein teures Unterfangen? Sicher. Aber offenbar eines, das sich die Lufthansa langfristig leisten will, um im internationalen Wettbewerb nicht abzuheben – sondern oben zu bleiben.
Kostenloses Internet – clever oder Köder?
Spannend ist auch der Marketing-Schachzug: Das neue WLAN-Angebot soll kostenlos sein – für alle Passagiere. Die einzige Bedingung: Man muss sich registrieren. Wer sich fragt, warum der Konzern freiwillig auf Einnahmen verzichtet, sollte genauer hinschauen: Daten sind das neue Gold. Ein Nutzerkonto ermöglicht wertvolle Einblicke ins Verhalten der Fluggäste – vom Surfverhalten bis zur Markeninteraktion. Das ist für eine Airline in der digitalen Welt mindestens so wertvoll wie ein verkaufter Business-Class-Sitz.
Wie wir das einordnen
Wenn eine deutsche Airline lieber mit einem US-Tech-Milliardär als mit der Telekom fliegt, sagt das mehr über den Zustand der heimischen Digitalinfrastruktur aus als jede Sonntagsrede. Starlink zeigt, wie Technologie aussehen kann, wenn sie nicht an Bürokratie, Funklöchern oder Beamten-Denken scheitert. Dass die Telekom da alt aussieht, ist traurig – aber nicht überraschend. Wer den digitalen Anschluss verpasst, braucht sich nicht wundern, wenn andere abheben.
Quelle: golem.de




