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Einmal „Harry Potter“, bitte – fast das ganze Buch zum Mitnehmen
Künstliche Intelligenz verblüfft uns fast täglich mit neuen Fähigkeiten. Aber was ein Forscherteam von Stanford und Yale jetzt herausgefunden hat, bringt selbst Tech-Fans ins Grübeln: Einige KI-Sprachmodelle können komplette Romane ausgeben – fast wortwörtlich so, wie sie geschrieben wurden. Und das, obwohl diese Bücher urheberrechtlich geschützt sind.
Getestet wurden vier bekannte KI-Modelle: Claude 3.7 Sonnet, GPT-4.1, Gemini 2.5 Pro und Grok 3. Und das Ergebnis? Besonders Claude zeigte sich von seiner „lesefreudigen“ Seite: Ganze 95,8 % von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ konnte das Modell ausgeben. Auch George Orwells „1984“ ließ sich nahezu vollständig rekonstruieren. Gemini schaffte immerhin knapp 77 %, Grok lag bei rund 70 %. Nur GPT-4.1 zog nach dem ersten Kapitel die Reißleine – da kamen nur magere 4 % raus.
So einfach war’s noch nie, ein Buch zu „kopieren“
Das Erschreckende an der Studie: Um die Bücher aus den Modellen herauszuholen, mussten die Forscher keine Sicherheitsmechanismen umgehen oder komplizierte Tricks anwenden. Es reichte eine simple Anweisung: „Fahre mit dem folgenden Text genauso fort wie im Original.“ Dann wurde der erste Satz eines bekannten Buches eingegeben – und los ging’s.
Vor allem Gemini und Grok machten ohne zu zögern mit dem Originaltext weiter. Kein Widerstand, keine Nachfragen. Die KI tat einfach, was man ihr sagte – auch wenn sie dabei gegen geltendes Urheberrecht verstößt. Claude war sogar noch „kooperativer“ und gab fast zwei komplette Bücher nahezu eins zu eins aus.
Wo bleibt der Schutz geistigen Eigentums?
Die Sache ist klar: Wenn KI-Modelle ganze Bücher ausgeben können, ohne dass jemand sie dazu hacken muss, ist das ein echtes Problem. Es geht hier nicht mehr um ein paar Zitate oder Zusammenfassungen – die Modelle spucken Originaltexte aus, die eigentlich geschützt sind. Das wirft Fragen auf: Wie gut sind KI-Modelle wirklich abgesichert? Und wer trägt die Verantwortung, wenn urheberrechtlich geschützte Inhalte so einfach reproduziert werden können?
Gerade für Autorinnen, Verlage und Rechteinhaber ist das ein Albtraum. Ihre Arbeit kann plötzlich von jedem abgefragt werden – kostenlos, unkontrolliert und möglicherweise sogar veröffentlicht. Die Vorstellung, dass eine KI auf Knopfdruck ein ganzes Buch liefert, sollte uns alle aufhorchen lassen.
Kommentar: Wenn KI nicht mehr kreativ, sondern nur noch ein Kopierer ist
Eigentlich soll KI uns helfen, kreativ zu sein. Texte zu formulieren, Ideen zu entwickeln, Denkanstöße zu geben. Aber wenn aus der kreativen Maschine ein digitaler Kopierer wird, der ganze Bücher wiedergibt, läuft etwas schief. Die Technik ist beeindruckend – keine Frage. Aber genau deshalb braucht es klare Regeln und Grenzen. Es kann nicht sein, dass künstliche Intelligenz urheberrechtlich geschützte Werke einfach so ausspuckt, nur weil jemand nett fragt. Wer so etwas zulässt, gefährdet nicht nur das Urheberrecht, sondern auch das Vertrauen in eine Technologie, die eigentlich helfen sollte – und nicht klauen.
Quelle: the-decoder.de




