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Linkedin steht im Zentrum neuer schwerer Vorwürfe. Das Portal Golem berichtet ausführlich über den Fall und bezieht sich auf Aktivisten vom Verein Fairlinked e.V., die dem Karrierenetzwerk vorwerfen, Nutzer über versteckten Javascript-Code systematisch auszuspähen. Im Kern geht es um eine heikle Frage: Hat Linkedin nur versucht, sich gegen automatisiertes Datensammeln zu schützen – oder wurden dabei heimlich Informationen erfasst, die auf der Plattform so niemals hätten gesammelt werden dürfen?

Klar ist: Der Vorwurf ist brisant. Denn Linkedin ist nicht irgendein Netzwerk. Mit rund 1,3 Milliarden Nutzern weltweit hat die Plattform eine enorme Machtposition. In der EU gilt sie deshalb sowohl nach dem Digital Markets Act als auch nach dem Digital Services Act als besonders regulierungsbedürftiger großer Player.

Was Fairlinked Linkedin konkret vorwirft

Ausgelöst wurde die Debatte durch den Verein Fairlinked. Dort haben sich geschäftliche Linkedin-Nutzer zusammengeschlossen, die der Plattform massive Datenschutzverstöße vorwerfen. Besonders heikel daran sei nicht nur die Menge, sondern auch die Auswahl. Laut den Aktivisten soll das System nach Tausenden Browser-Erweiterungen suchen, darunter auch viele Tools, die direkt mit Linkedin-Angeboten konkurrieren. Damit entstehe der Verdacht, dass Linkedin nicht bloß technische Risiken erkennen will, sondern auch nachvollziehen kann, welche Nutzer oder Unternehmen Konkurrenzprodukte einsetzen.

Genau an diesem Punkt wird der Vorwurf politisch und wirtschaftlich explosiv. Denn wenn solche Daten mit Profilen verknüpft werden, ließe sich womöglich erkennen, welche Firmen alternative Vertriebs- oder Recruiting-Tools verwenden.

Warum die Kritik so scharf ausfällt

Wie Golem schreibt, spricht Fairlinked nicht von einem grauen Bereich, sondern von einem klaren Verstoß. Wörtlich heißt es: „Nach EU-Recht ist diese Datenkategorie nicht reguliert. Sie ist verboten. Linkedin verfügt über keine Einwilligung, keine Offenlegung und keine rechtliche Grundlage. In der Datenschutzerklärung wird nichts davon erwähnt.“

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der die Kritik verschärft. Nach Darstellung der Aktivisten könnten über installierte Erweiterungen sogar besonders sensible Hinweise ableitbar sein – etwa auf politische Präferenzen, religiöse Praxis oder neurodivergente Nutzer. Ob diese Schlussfolgerungen im Einzelfall tatsächlich belastbar sind, ist eine Sache. Schon die Möglichkeit, dass solche Informationen mittelbar erschlossen werden könnten, reicht aber aus, um den Fall hochproblematisch wirken zu lassen.

Linkedin weist die Vorwürfe zurück

Lat Golem bestreitet Linkedin, die Daten rechtswidrig zu nutzen. Das Unternehmen habe eingeräumt, ein entsprechendes Fingerprinting-Skript einzusetzen, erklärt aber, dies diene allein dem Schutz gegen Web-Scraping. Gemeint ist das automatisierte Auslesen von Profildaten durch Bots oder Drittanbieter.

Damit stehen sich zwei völlig unterschiedliche Erzählungen gegenüber: Auf der einen Seite Nutzer und Aktivisten, die von heimlichem Ausspähen sprechen. Auf der anderen Seite ein Konzern, der sagt, er verteidige nur seine Plattform gegen Missbrauch.

Klagen laufen – und der Druck wächst

Inzwischen hat der Fall längst juristische Folgen. In den USA wurden bereits Sammelklagen eingereicht, in Deutschland laufen ebenfalls Verfahren. Außerdem wird damit gerechnet, dass sich auch europäische Behörden die Sache genauer ansehen könnten. Für Linkedin kommt das zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn die Plattform stand schon in der Vergangenheit wegen Datenschutzfragen unter Druck.

Und genau hier liegt das eigentliche Problem: Wer sich als seriöses Berufsnetzwerk verkauft, muss beim Umgang mit Nutzerdaten besonders sauber arbeiten. Technischer Selbstschutz ist das eine. Heimliche Tiefenblicke in die Geräte der Nutzer sind etwas ganz anderes. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre das kein kleiner Datenschutzpatzer, sondern ein massiver Vertrauensbruch. Gerade bei Linkedin wirkt das besonders unerquicklich: Ein Netzwerk, das von Professionalität lebt, darf sich beim Blick hinter die Kulissen nicht wie ein Schattenakteur aufführen.

Quellen: golem.de

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