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Manchmal reicht ein schlechter Plan. In diesem Fall waren es gleich mehrere – und am Ende ging es um richtig viel Geld. Ein Firmenchef wollte sich aus einer Millionen-Zusage drücken. Seine eigenen Anwälte hielten das für keine gute Idee. Also fragte er stattdessen einen Chatbot. Das Ergebnis: ein verlorener Prozess und ein ziemlich peinlicher Auftritt.
Der Deal, der plötzlich zu teuer wurde
2021 kauft der Spielekonzern Krafton das Studio hinter „Subnautica“. Ein großer Deal, rund 500 Millionen Dollar schwer. Klingt nach einem Erfolg – bis man sich die Details anschaut.
Denn ein Teil des Vertrags hatte es in sich: Wenn „Subnautica 2“ gut läuft, sollte das Entwicklerteam zusätzlich bis zu 250 Millionen Dollar bekommen. Viel Geld, klar. Aber genau so war es vereinbart.
Das Problem: Intern sah alles danach aus, dass genau das passieren würde.
Anwälte bremsen – der Chef nicht
Die Juristen im Unternehmen machten wohl ziemlich früh klar, dass man aus dieser Nummer nicht einfach rauskommt. Vertrag ist Vertrag. Selbst ein Austausch der Führung würde daran nichts ändern.
Dazu kamen die üblichen Warnungen: Risiko vor Gericht, Imageschaden, schlechte Signale nach innen. Nur: Der CEO wollte das offenbar nicht akzeptieren.
Der ungewöhnliche „Berater“
Also suchte er sich eine andere Quelle. Er fragte ChatGPT. Der Bot reagierte zunächst vorsichtig und machte deutlich, dass die Lage schwierig sei. Auf weiteres Nachhaken gab es dann aber doch Vorschläge: neu verhandeln, Druck aufbauen, eine Strategie entwickeln, im Zweifel auch rechtlich vorgehen.
Genau das wurde umgesetzt. Intern lief das Ganze unter dem Namen „Project X“. Klingt nach Geheimprojekt – war aber eher ein riskantes Manöver.
Die Studioleitung wurde unter Druck gesetzt, später sogar entlassen. Offiziell wegen Fehlverhalten. Im Verfahren wirkten viele dieser Vorwürfe allerdings eher konstruiert.
Vor Gericht wird es unangenehm
Spannend wurde es, als interne Kommunikation auftauchte. In einer E-Mail erklärte der CEO den Plan – und verwies dabei ausdrücklich auf ChatGPT.
Die Richterin ging daraufhin konsequent vor: Die Entlassungen wurden kassiert, die Führung wieder eingesetzt. Und die Bonuszahlung? Die ist weiter im Spiel. Mehr noch: Die Fristen wurden sogar verlängert.
Was von der Sache bleibt
Der Fall wirkt fast wie eine Anekdote, ist aber ziemlich ernst. Natürlich kann man sich von Tools inspirieren lassen. Ideen sammeln, Perspektiven prüfen – alles sinnvoll. Aber: Wer klare Warnungen ignoriert und sich stattdessen die passendere Antwort sucht, geht ein Risiko ein.
Und genau das ist hier passiert. Nicht die Technik war das Problem. Sondern die Entscheidung, sie wie eine Abkürzung zu benutzen.
Am Ende bleibt ein Bild hängen, das man so schnell nicht loswird: Ein CEO, der seine eigenen Experten übergeht – und dafür einen ziemlich hohen Preis zahlt.




