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Wer im Internet einkauft, ein Smartphone nutzt oder Videospiele spielt, könnte schon bald deutlich besser geschützt werden. Mit dem geplanten Digital Fairness Act (DFA) arbeitet die Europäische Union an einem neuen Gesetzespaket, das den digitalen Verbraucherschutz grundlegend verändern soll. Dabei geht es längst nicht nur um die großen Tech-Konzerne wie Amazon, Apple oder Meta. Auch kleine Online-Händler, App-Entwickler, Spielehersteller und Betreiber digitaler Plattformen müssen sich auf neue Regeln einstellen.
Das Ziel der EU klingt zunächst überzeugend: Verbraucher sollen im Internet selbstbestimmte Entscheidungen treffen können – ohne psychologische Tricks, irreführende Werbung oder undurchsichtige Geschäftsmodelle. Doch genau an diesem Punkt beginnt die Diskussion. Denn viele Unternehmen befürchten, dass gut gemeinte Regeln am Ende zu einer erheblichen Belastung für die gesamte Digitalwirtschaft werden.
Schluss mit den Tricks im Online-Handel?
Fast jeder kennt sie: Der blinkende Hinweis „Nur noch 2 Stück verfügbar“, der Countdown bis zum angeblich letzten Sonderangebot oder das Abo, das sich mit einem Klick abschließen lässt, aber nur nach langer Suche wieder gekündigt werden kann.
Genau solche Methoden möchte die EU stärker einschränken. Im Mittelpunkt stehen sogenannte manipulative Gestaltungsmethoden, die Nutzer unbewusst zu bestimmten Entscheidungen bewegen sollen. Webseiten und Apps sollen künftig transparenter aufgebaut werden. Preise, Vertragsbedingungen und Auswahlmöglichkeiten sollen klar erkennbar sein. Verbraucher sollen nicht mehr durch versteckte Einstellungen oder komplizierte Menüs beeinflusst werden.
Auch personalisierte Angebote könnten stärker reguliert werden. Wenn Algorithmen gezielt das Verhalten einzelner Nutzer ausnutzen oder besonders anfällige Personengruppen beeinflussen, möchte die EU eingreifen.
Videospiele geraten besonders in den Fokus
Ein Bereich steht dabei besonders im Mittelpunkt: die Games-Branche.
Viele moderne Spiele finanzieren sich heute über In-Game-Käufe, virtuelle Währungen, saisonale Pässe oder andere digitale Zusatzinhalte. Gleichzeitig setzen manche Spiele auf Belohnungssysteme, tägliche Login-Boni oder künstliche Verknappung, um Spieler möglichst lange zu binden.
Die EU prüft deshalb, ob bestimmte Spielmechaniken insbesondere Kinder und Jugendliche zu stark beeinflussen. Diskutiert werden unter anderem strengere Vorgaben für virtuelle Währungen, transparente Preisangaben und ein kritischer Blick auf besonders suchtfördernde Designs oder manipulative Kaufanreize. Auch Influencer-Marketing und versteckte Werbung gehören zu den Themen des Digital Fairness Act.
Die Games-Branche warnt allerdings davor, funktionierende Geschäftsmodelle pauschal unter Generalverdacht zu stellen. Viele Unternehmen sehen die Gefahr, dass neben dem bereits bestehenden Jugendmedienschutz zusätzliche Regelungen entstehen könnten, die sich überschneiden und unnötig kompliziert werden.
Auch kleine Händler bleiben nicht verschont
Wer glaubt, das Gesetz richte sich ausschließlich gegen internationale Tech-Giganten, dürfte sich täuschen.
Nach den bisherigen Überlegungen sollen die neuen Vorschriften grundsätzlich für digitale Geschäftsmodelle gelten – unabhängig davon, ob ein Unternehmen Milliarden umsetzt oder nur einen kleinen Online-Shop betreibt. Damit könnten auch kleinere Händler verpflichtet werden, ihre Bestellprozesse, Preisgestaltung und Nutzerführung kritisch zu überprüfen.
Gerade kleinere Unternehmen verfügen häufig weder über eigene Rechtsabteilungen noch über große Entwicklerteams. Jede neue Regel bedeutet zusätzlichen Aufwand, technische Anpassungen und im Zweifel höhere Kosten. Kritiker warnen deshalb davor, dass ausgerechnet diejenigen belastet werden könnten, die ohnehin mit steigenden Kosten kämpfen.
Mehr Transparenz bei Influencern und personalisierter Werbung
Der Digital Fairness Act soll sich nicht nur mit klassischen Online-Shops beschäftigen.
Auch Influencer-Marketing steht auf der Agenda. Verbraucher sollen künftig leichter erkennen können, wann Inhalte tatsächlich Werbung sind und wann lediglich persönliche Empfehlungen dargestellt werden. Gleichzeitig beschäftigt sich die EU mit personalisierten Angeboten, die auf umfangreichen Nutzerdaten beruhen.
Wenn digitale Dienste Menschen gezielt aufgrund ihrer persönlichen Schwächen oder ihres Verhaltens beeinflussen, soll dies künftig deutlich stärker eingeschränkt werden. Besonders schutzbedürftige Gruppen wie Kinder und Jugendliche stehen dabei im Mittelpunkt.
Zwischen Verbraucherschutz und Überregulierung
Kaum jemand wird bestreiten, dass Verbraucher vor unfairen Methoden geschützt werden sollten. Niemand möchte absichtlich durch versteckte Kosten, irreführende Designs oder psychologische Verkaufstricks benachteiligt werden.
Gleichzeitig stellt sich aber eine entscheidende Frage: Wann endet sinnvoller Verbraucherschutz – und wann beginnt übermäßige Regulierung?
Je mehr Vorschriften entstehen, desto schwieriger wird ihre Umsetzung. Innovationen könnten gebremst werden, kleinere Unternehmen hätten höhere Kosten und internationale Wettbewerber außerhalb Europas könnten leichter am Markt agieren als europäische Anbieter.
Genau deshalb fordern viele Verbände, dass der Digital Fairness Act bestehende Regelungen vereinfachen soll, anstatt immer neue Pflichten einzuführen. Ein verständliches, einheitliches Regelwerk würde sowohl Verbrauchern als auch Unternehmen deutlich mehr helfen als ein weiteres kompliziertes Gesetzespaket.
Schutz ist wichtig, aber Augenmaß ist entscheidend
Die Idee hinter dem Digital Fairness Act ist absolut nachvollziehbar. Niemand braucht manipulative Verkaufstricks oder Apps, die Nutzer gezielt zum Geldausgeben verleiten. Aber die EU sollte endlich aufhören, jedes Problem mit einem neuen Gesetz lösen zu wollen.
Die großen Digitalkonzerne beschäftigen ganze Abteilungen, die neue Vorschriften über Nacht umsetzen können. Der kleine Online-Shop, das Start-up oder das unabhängige Entwicklerstudio kann das nicht. Die Gefahr ist groß, dass am Ende genau die Unternehmen bestraft werden, die eigentlich fair arbeiten wollen.
Mehr Transparenz? Jederzeit. Weniger Manipulation? Sofort. Aber wenn aus jedem Online-Shop ein halbes Jurastudium wird, verliert Europa genau das, was es dringend braucht: Innovation, Mut und unternehmerische Freiheit.




