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Was früher ein schneller Tweet war, endet jetzt im Verhörraum. In Paris haben Ermittler die Büros von X durchsucht, der Plattform von Elon Musk. Der Vorwurf: Zu viel Extremes, zu wenig Kontrolle. Und plötzlich steht nicht mehr nur eine App unter Druck, sondern einer der mächtigsten Tech-Unternehmer der Welt. Die Tagesschau berichtet in Bezugnahme auf französischer Ermittlungsbehörden.
Durchsuchung statt Diskussion
Frankreich hat genug vom Abwarten. Die Staatsanwaltschaft ließ Räume von X in Paris durchsuchen – begleitet von Europol. Das allein zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird. Gleichzeitig gingen Vorladungen raus: Elon Musk selbst soll am 20. April erscheinen. Auch Linda Yaccarino, frühere Chefin von X, wird erwartet.
Der Hintergrund: Ermittler prüfen seit Monaten, ob die Plattform Inhalte gezielt so verteilt hat, dass extrem rechte Beiträge mehr Aufmerksamkeit bekommen. Kein kleiner Vorwurf, sondern einer, der direkt an das Herz der Plattform reicht – den Algorithmus.
Wenn Technik schneller ist als Verantwortung
Besonders heikel ist der Blick auf den KI-Chatbot „Grok“. Dieses Tool kann Bilder erzeugen – schnell, realistisch und auf Wunsch auch von echten Menschen. Genau hier liegt das Problem.
Innerhalb kürzester Zeit tauchten massenhaft sexualisierte Bilder auf, darunter auch Darstellungen von Kindern. Laut einer britischen Organisation sollen es zehntausende gewesen sein. X hat später reagiert und Funktionen eingeschränkt. Doch im Netz gilt: Was einmal draußen ist, bleibt draußen.
Neben diesen Vorwürfen geht es auch um Holocaustleugnung und um den Missbrauch von Persönlichkeitsbildern. Themen, bei denen Frankreich traditionell sehr klare Grenzen zieht. Die Staatsanwaltschaft betont zwar, man wolle eine „konstruktive Lösung“. Übersetzt heißt das: X soll sich an Regeln halten – oder es wird unbequem.
Frankreich ist nicht allein
Der Ärger kommt nicht nur aus Paris. Auch auf EU-Ebene wird genau hingeschaut. Die EU-Kommission hat ein eigenes Verfahren gegen X gestartet. Der Fokus: Wie KI auf der Plattform genutzt wird und ob sie dabei gefährliche Inhalte verstärkt.
Für Musk ist das ein ungünstiger Moment. Statt über Raketen, Chips oder selbstfahrende Autos zu sprechen, muss er sich erklären, warum seine Plattform Inhalte verbreitet, die in Europa als rote Linie gelten. Und Europa ist kein Markt, den man einfach ignorieren kann.
Ein Problem, das größer ist als X
Der Fall zeigt ein Grundproblem unserer Zeit. Technik entwickelt sich rasant, Regeln hinken hinterher. KI kann faszinieren, unterhalten, helfen – aber sie kann auch missbraucht werden. Wenn niemand rechtzeitig stoppt, entsteht Schaden, der nicht mehr einzufangen ist.
Plattformen verdienen Geld mit Aufmerksamkeit. Je extremer der Inhalt, desto größer die Reichweite. Das ist kein Geheimnis. Neu ist nur, dass Staaten immer weniger bereit sind, dabei zuzusehen.
Man kann das alles als Angriff auf freie Meinungsäußerung verkaufen. Oder man erkennt, dass Freiheit ohne Verantwortung am Ende immer die Falschen trifft. Wer Werkzeuge baut, die in Sekunden Bilder, Meinungen und Stimmungen erzeugen, kann sich nicht wegducken, wenn diese Werkzeuge aus dem Ruder laufen.
Manchmal wirkt es, als müssten erst Ermittler mit Durchsuchungsbeschluss auftauchen, damit Tech-Giganten merken, dass „Move fast and break things“ kein Lebensmotto für eine Gesellschaft sein kann. Und genau das ist der eigentliche Skandal.
Quelle: tagesschau.de




