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Verkehrssicherheit 2.0: Die Technik wird zur Waffe gegen Ablenkung
Die Straße im Blick – nicht das Smartphone. Klingt selbstverständlich, ist aber für viele Autofahrer ein Problem. Und genau deshalb will der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) jetzt durchgreifen – mit moderner Künstlicher Intelligenz. Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar wird über nichts weniger diskutiert als die Zukunft der Verkehrssicherheit. Und die ist ganz klar digital.
Im Fokus: sogenannte Monocams – KI-Kameras, die aus der Distanz erkennen, ob jemand am Steuer aufs Handy schaut. Erste Tests in Rheinland-Pfalz sind bereits gelaufen – mit Erfolg. Jetzt fordert der DVR: Flächendeckender Einsatz in ganz Deutschland.
KI erkennt Handy-Sünder – schon bevor etwas passiert
Die Idee klingt nach Science-Fiction, ist aber bitterer Ernst: Kameras an Straßenbrücken oder Ampeln sollen künftig automatisch erkennen, ob ein Fahrer gegen das Handyverbot verstößt. Die Daten könnten sogar verarbeitet werden, bevor überhaupt ein Regelverstoß eindeutig vorliegt – so zumindest eine umstrittene Idee aus Sachsen, wo das Polizeigesetz angepasst werden soll.
Drohnen, Kameras, Überwachung ohne konkreten Anlass? Datenschützer dürften hier aufhorchen. Aber der DVR hält dagegen: Der Aufwand mit herkömmlichen Polizeikontrollen sei zu hoch, und zu viele Verstöße blieben unentdeckt. Es gehe nicht um Überwachung aus Prinzip, sondern um Lebensrettung durch Prävention.
Alkohol, Infotainment, Ausbildung – das große Sicherheits-Paket
Doch es bleibt nicht bei der Handy-Kontrolle. Der DVR legt ein ganzes Maßnahmenpaket auf den Tisch:
- Alkoholgrenze für Radfahrer: Schon ab 1,1 Promille soll eine Ordnungswidrigkeit greifen – bislang sind es 1,6 Promille.
- Null Toleranz am Steuer: Für Autofahrer fordert der Rat ein komplettes Alkoholverbot.
- Infotainment-Systeme entschärfen: Die Industrie soll einfacher bedienbare Technik liefern, um Ablenkung im Auto zu vermeiden.
- Führerschein modernisieren: Mit Fahrsimulatoren, Online-Unterricht und einheitlichem Lehrplan soll die Ausbildung besser und günstiger werden.
Ein Punkt fällt dabei besonders auf: Die Forderung, bei Unfällen konsequent Smartphones zu sichern und auszuwerten, wenn der Verdacht besteht, dass das Handy vom Verkehr abgelenkt hat. Auch das soll Teil der Fahrschulausbildung werden – also: schon früh klarmachen, was ein kurzer Blick aufs Display kosten kann.
Ist das alles vernünftig?
Man fragt sich schon: Wie viel Überwachung darf Sicherheit kosten? Ja, Handys am Steuer sind ein riesiges Problem. Aber wer schon beim Blick aufs Display von einer KI-Kamera erkannt und registriert wird, ohne konkrete Gefahrensituation – da verschwimmen die Grenzen zwischen Schutz und Kontrolle. Technik als Helfer? Klar. Technik als Aufpasser rund um die Uhr? Fragwürdig. Zwischen Prävention und Panoptikum ist es oft nur ein Wimpernschlag. Wer Verkehrssicherheit will, muss nicht nur Regeln aufstellen – sondern auch Freiheiten erklären.
Quelle: heise.de




