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Das freie Internet im Iran? Wird systematisch abgewürgt
Was früher fast undenkbar schien, ist jetzt Realität: Das iranische Regime schafft es offenbar, selbst das Satelliteninternet von Starlink massiv zu stören. Und das gezielt – nicht mehr nur mit einfachen GPS-Störsendern, sondern mit deutlich raffinierteren Methoden. In manchen Regionen sollen bis zu 80 % der Verbindungen zusammengebrochen sein. Für viele Iranerinnen und Iraner ist Starlink einer der letzten Wege, sich frei zu informieren oder mit der Außenwelt zu kommunizieren – doch auch dieses Tor scheint sich jetzt zu schließen.
Mehr als GPS-Jamming: Neue Technik im Einsatz
Dass Iran GPS-Signale stört, ist nicht neu – das geschah schon im Sommer 2025 während militärischer Spannungen mit Israel und den USA. Damals galt das GPS-Jamming vor allem autonomen Waffen. Jetzt trifft es die Bevölkerung. Der iranische Aktivist Mehdi Yahyanejad, der seit Jahren die digitale Situation im Iran analysiert, berichtet von drastischen Einbrüchen im Datenverkehr über Starlink. Inzwischen seien in einigen Gegenden bis zu 80 % der Verbindungen ausgefallen.
Der Verdacht: GPS-Störungen allein können das nicht erklären. Offenbar setzt das Regime mittlerweile gezielte neue Störtechniken ein, die noch effektiver arbeiten – und deutlich schwerer zu erkennen oder zu blockieren sind.
„Kalinka“: Russische Hilfe beim digitalen Knebel?
Ein heißer Kandidat für die neue Störtechnik ist ein System mit dem harmlos klingenden Namen „Kalinka“. Es stammt aus Russland und soll gezielt einzelne Starlink-Terminals stören können – und das ganz ohne große Antennen oder auffällige Technik. Die Reichweite? Etwa 15 Kilometer. Auch wenn es keine offizielle Bestätigung gibt, passt das Puzzle zusammen: Russland arbeitet eng mit Iran zusammen, etwa bei Drohnenprojekten. Gut möglich also, dass auch Know-how zur digitalen Unterdrückung exportiert wurde.
In der Ukraine wird gegen solche Störsysteme bereits mit speziellen Abschirmungen gearbeitet, um das Eindringen der Störsignale zu erschweren. Ob ähnliche Gegenmaßnahmen auch im Iran zum Einsatz kommen, ist bisher nicht bekannt.
Digitaler Rückschritt per Knopfdruck
Starlink war für viele im Iran ein Hoffnungsschimmer – ein Weg vorbei an der staatlichen Zensur, direkt ins offene Netz. Jetzt zeigt sich: Auch dieser Zugang kann vom Regime massiv eingeschränkt werden. Zehntausende Empfänger im Land machen es zwar schwer, flächendeckend zu stören – aber die gezielte Ausschaltung in kritischen Regionen reicht schon, um Kontrolle über die Informationsflüsse zurückzugewinnen.
Was das für die Zukunft bedeutet? Das bleibt offen. Klar ist nur: Wer gezielt das Internet abdreht, hat keine Angst vor der Technologie – sondern vor der Wahrheit.
Kommentar: Wenn Satelliteninternet nicht mehr hilft, wird’s gefährlich
Es ist ein Warnsignal für die ganze Welt: Wenn selbst ein System wie Starlink, das als besonders widerstandsfähig gilt, gezielt gestört werden kann, ist niemand mehr sicher vor digitaler Zensur. Die Vorstellung, dass autoritäre Staaten mit ein paar mobilen Geräten freie Kommunikation auslöschen können, ist mehr als beunruhigend. Und wenn Russland hier wirklich mithilft, zeigt das einmal mehr, wie weit die strategische Partnerschaft zwischen Autokratien reicht. Wer in solchen Ländern lebt, braucht heute mehr als einen Internetzugang – er braucht Mut. Und die Welt sollte endlich aufhören, so zu tun, als sei das alles nur ein lokales Problem.
Quelle: winfuture.de




