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Es ist ein stiller, aber gewaltiger Umbau mit politischer Sprengkraft. Google steht in Europa massiv unter Druck. Der Vorwurf: Die Suchmaschine soll eigene Angebote bevorzugen und Wettbewerber benachteiligen. Nun plant der Konzern offenbar Änderungen – wohl auch, um einer empfindlichen Geldstrafe nach dem europäischen Digital Markets Act (DMA) zu entgehen.

Was bedeutet das für Unternehmen, Verbraucher – und den digitalen Wettbewerb?

Der Vorwurf: Google spielt sich selbst nach vorne

Die EU-Kommission sieht ein Problem in der Darstellung der Suchergebnisse. Konkret geht es um sogenannte vertikale Suchdienste – also spezielle Bereiche wie Hotels, Flüge, Restaurants oder Shopping-Angebote.

Nach Ansicht der EU werden im Europäischen Wirtschaftsraum eigene Google-Dienste in den Ergebnissen besonders prominent angezeigt. Konkurrenzangebote erscheinen dagegen weiter unten oder weniger auffällig. Wer etwa nach einem Hotel sucht, bekommt zuerst Google-eigene Buchungs- oder Vergleichsdienste präsentiert – und nicht unbedingt unabhängige Plattformen.

Genau hier setzt der DMA an. Das Gesetz soll verhindern, dass marktmächtige Digitalkonzerne ihre Stellung ausnutzen, um eigene Produkte systematisch zu bevorzugen. Die EU spricht in diesem Zusammenhang von möglicher Wettbewerbsverzerrung.

Google reagiert – noch bevor die Strafe kommt

Bevor die Untersuchung endgültig abgeschlossen ist, will Alphabet offenbar gegensteuern. Laut einem Reuters-Bericht plant der Konzern, Suchergebnisse in Europa anzupassen. Künftig sollen konkurrierende Hotel- oder Reisedienste standardmäßig sichtbarer platziert werden – teilweise auf gleicher Höhe mit Google-Angeboten.

Geplant ist, die Änderungen zunächst bei der Unterkunftssuche einzuführen. Später sollen auch Flugsuchen und andere Bereiche folgen. Das Ziel ist klar: Die EU-Kommission soll erkennen, dass Google den Wettbewerb ernster nimmt.

Milliardenrisiko im Hintergrund

Warum bewegt sich Google jetzt? Ein möglicher Grund liegt in den drohenden Sanktionen: Verstößt ein Unternehmen gegen den DMA, verden empfindliche Bußgelder verhängt – bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes können hier fällig werden. Für einen Konzern wie Alphabet wäre das keine Kleinigkeit, sondern ein Milliardenbetrag.

Bereits in der Vergangenheit musste Google tief in die Tasche greifen. Seit 2017 summieren sich EU-Strafen laut Reuters auf 9,71 Milliarden Euro wegen verschiedener Wettbewerbsverstöße.

Die Auseinandersetzung ist längst mehr als ein reines Wirtschaftsverfahren. In den USA werden europäische Digitalgesetze wie der DMA oder auch der Digital Services Act (DSA) teilweise als gezielte Belastung amerikanischer Tech-Konzerne gesehen. Gleichzeitig verschärft die EU ihre Durchsetzung – trotz Handelsstreit und politischer Spannungen.

Was bedeutet das für den Markt?

Sollten die Änderungen kommen, könnte sich das Nutzererlebnis tatsächlich verändern. Konkurrenzangebote hätten bessere Chancen, sichtbar zu werden. Für kleinere Anbieter wäre das ein wichtiger Schritt. Für Verbraucher könnte es mehr Auswahl und Transparenz bedeuten.

Allerdings bleibt die entscheidende Frage: Reicht eine optische Anpassung der Suchergebnisse aus, um echten Wettbewerb zu sichern? Oder braucht es tiefgreifendere strukturelle Veränderungen?

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Google mit kosmetischen Korrekturen durchkommt – oder ob Brüssel ein deutliches Signal setzen will.

Kritischer Kommentar

Der Fall zeigt, wie stark digitale Märkte inzwischen reguliert werden. Das ist nachvollziehbar, wenn einzelne Unternehmen eine enorme Machtposition haben. Gleichzeitig muss Regulierung so ausgestaltet sein, dass sie Innovation nicht erstickt oder Suchergebnisse künstlich verkompliziert.

Wettbewerb entsteht nicht allein durch Vorschriften, sondern durch echte Alternativen. Wenn Gesetze lediglich das Layout verändern, aber die Marktmacht unberührt bleibt, ist wenig gewonnen. Europa setzt mit dem DMA ein klares Zeichen. Entscheidend wird sein, ob daraus langfristig mehr Fairness entsteht – oder nur ein neues Spielfeld mit denselben dominanten Akteuren.

Quelle: heise.de

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