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Der Streit um Künstliche Intelligenz und fremde Inhalte bekommt das nächste große Kapitel. Diesmal steht nicht irgendein kleiner Anbieter im Mittelpunkt, sondern die Encyclopaedia Britannica – ein Name, der für verlässliches Wissen steht. Zusammen mit Merriam-Webster wirft das Unternehmen OpenAI vor, geschützte Inhalte ohne Erlaubnis für das Training von ChatGPT verwendet zu haben. Das Online-Portal Heise berichtet von dem Fall.
Nach Angaben der Kläger geht es um fast 100.000 Artikel, Lexikontexte und Wörterbucheinträge. Der Vorwurf ist also nicht klein, sondern ziemlich massiv. Britannica sagt: OpenAI habe diese Inhalte genutzt, damit ChatGPT Antworten liefern kann, die teils sehr nah an den Originalen liegen. Und genau da beginnt das Problem. Denn wer eine Antwort direkt von der KI bekommt, klickt oft nicht mehr auf die eigentliche Quelle.
Warum dieser Streit mehr ist als nur ein Technik-Thema
Auf den ersten Blick wirkt das wie ein typischer Fall aus der digitalen Welt. Beim genaueren Hinsehen geht es aber um etwas Grundsätzliches: Wer hochwertige Informationen erstellt, investiert Geld, Zeit und Wissen. Wenn eine KI diese Arbeit einsammelt, neu verpackt und selbst damit Reichweite gewinnt, stellt sich die Frage, ob das noch fair ist.
Britannica sagt klar: nein. Aus Sicht des Unternehmens ersetzt ChatGPT Inhalte, für die andere hart gearbeitet haben. Und das könnte am Ende nicht nur Leser kosten, sondern auch Einnahmen. Für Anbieter, die vom Vertrauen ihrer Nutzer leben, ist das ein empfindlicher Punkt.
Besonders heikel: der Vorwurf rund um falsche Zuschreibungen
Noch brisanter wird die Sache durch einen weiteren Punkt der Klage. Britannica wirft OpenAI vor, dass ChatGPT teils Inhalte ausgibt, die falsch, verkürzt oder schlicht erfunden sind – und diese dann mit Britannica oder Merriam-Webster in Verbindung gebracht werden. Für ein Unternehmen, das von Glaubwürdigkeit lebt, ist das ein ernstes Problem.
Denn ein Fehler im Netz ist schnell gemacht. Wenn er aber unter einer bekannten Marke auftaucht, kann daraus echter Schaden entstehen. Genau deshalb geht es hier nicht nur um Texte, sondern auch um Vertrauen.
Ein Verfahren mit Wirkung weit über diesen Fall hinaus
Britannica steht mit dieser Klage nicht allein. Auch andere Medienhäuser und Verlage gehen juristisch gegen KI-Unternehmen vor. Gleichzeitig gibt es bereits Lizenzdeals mit Verlagen, die ihre Inhalte gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. Das zeigt ziemlich deutlich, worum es inzwischen geht: um Regeln, um Geld und um die Frage, wem digitale Inhalte in der KI-Zeit eigentlich noch nützen.
Der Fall könnte deshalb wichtig werden. Nicht nur für OpenAI, sondern für die ganze Branche.
Unterm Strich wirkt vieles an diesem KI-Boom noch immer erstaunlich bequem: Inhalte anderer nehmen, ein neues Produkt daraus bauen und erst danach über Fairness reden. Genau das könnte sich noch als größter Fehler dieser Industrie erweisen.
Quellen: heise.de




